Freiburg hat seinen "stairway to heaven" wieder

Spindeltreppe wurde neu aufgesetzt

Freiburg (ABZ). – Nach komplizierten Planungen ersetzte die Storz-Bauwerkinstandsetzung kürzlich die markante Spindeltreppe an der Stühlingerbrücke – eine komplett neue Konstruktion, welche dem Original von 1991 jedoch weitestgehend gleicht.
Beton
Freiburgs "stairway to heaven" gehört zusammen mit den markanten Kreiselskulpturen zu den prägenden Elementen der Universitätsstadt. Foto: Mahrholdt

Unmittelbar vor dem Konzerthaus gehört sie zusammen mit den markanten Kreiselskulpturen zu den prägenden Elementen der Universitätsstadt.

"Als Mitte Oktober 2022 als krönender Abschluss die 14 Tonnen schwere Podestplatte eingehoben war, fiel uns allen ein Stein vom Herzen", gibt BWI-Bereichsleiter Bernd Weimer zu. Unter den Augen der städtischen Auftraggeber und zusammen mit einem Spezialtransportunternehmen war die Millimeterarbeit vollbracht und dieser letzte Betonkoloss an seinem Platz. Mit diesem Einbau weit nach Mitternacht endete eine lange Geschichte.

Es ist die Geschichte einer gewagten Konstruktion, die fast ein Jahrzehnt lang ihr Dasein jedoch als Provisorium fristen musste. Das statische System der alten Spindeltreppe besteht aus einem eingespannten Spindelkern mit einzeln aufgefädelten Kragarm-Fertigteilstufen. Zur Erlangung einer höheren Steifigkeit und der Vermeidung von Schwingungen hatte das Team die schlanken Fertigteilstufen zusätzlich konstruktiv mittels Spannankern schubfest miteinander verschraubt. Entsprechend waren die Mitarbeitenden vom Grundprinzip einer Spindeltreppe abgewichen und hatten ein räumliches Tragwerk ("Faltwerk") geschaffen, für das die einzelnen Stufen jedoch nicht bemessen und ausgebildet wurden. Dadurch traten hohen Zwangsspannungen an den Verbindungspunkten auf. Erste Risse entstanden schon kurz nach Fertigstellung der Treppe.

Frost-Tau-Wechsel gaben dem Bauwerk den Rest

Der Chlorideintrag durch Tausalze und die unzähligen Frost-Tau-Wechsel gaben dem Bauwerk den Rest und zerstörten die Konstruktion in wenigen Jahren. "Eine traurige Geschichte. Diese außergewöhnliche Treppe unmittelbar am damals neuen Konzerthaus bekam 2013 ein Exoskelett und wurde seitdem von einer Holzkonstruktion gestützt – nicht schön", sagt Weimer. Damit endete eine luftig-leichte und elegante Konstruktion quasi an Krücken. Bis man beschloss, sie im Rahmen der Sanierung des östlichen Teils der Stühlinger Brücke, die von Storz-BWI ausgeführt wird, durch eine gleich aussehende, aber bautechnisch bessere, im Detail durchdachte Konstruktion zu ersetzen. Weimer: "Dies war einfacher gesagt als getan. Basierend auf der Entwurfsplanung der Stadt hat das Freiburger Büro Mohnke-Höss Bauingenieure die Grundlagenermittlung und Schadensanalyse und die statischen Berechnungen in der Vor-, Entwurfs- und Genehmigungsplanung ausgeführt sowie die Schalpläne für die Ausführungsplanung entworfen. Storz entwickelte die Vermessung und die Ausführungsplanung. Wir haben also die neue Treppe in ihren einzelnen Elementen errechnet und dem Hersteller der Beton-Fertigelemente die genauen Vorgaben gemacht."

Dieser habe sich in der Firma Birkenmeier in Breisach-Niederrimsingen gefunden, nachdem Wettbewerber aus fünf europäischen Ländern abgewunken hatten. "Zu kompliziert, zu risikobehaftet, vielleicht verlustbringend – so lauteten die Begründungen. Aber mit den Kollegen 'von nebenan' haben wir es hervorragend geschafft." Aus den Erkenntnissen der Schadensanalyse entwickelte das Büro Mohnke-Höss im Laufe der Planungsphase eine neue Treppenkonstruktion, die in statischer Hinsicht die Zwangsspannung in den Bauteilen minimiert und optisch wie gewünscht an die Bestandstreppe erinnert. Die Planer gaben der neuen Treppe das ursprüngliche Tragsystem einer klassischen Spindelkonstruktion zurück, bei dem die Stufen als autarke Kragarme wirken. Dadurch können sich die Bauteile frei ausdehnen und es kommt zu keiner stufenübergreifenden Summierung der inneren Spannungen. Zur Begrenzung der Verformung und Erhöhung der Steifigkeit wurden je zwei Stufen zu einem Stahlbetonfertigteil zusammengefasst. Aufgrund des angriffsfreudigen Milieus wurde hinsichtlich der Dauerhaftigkeit auf Edelstahlbewehrung zurückgegriffen und der Anschlusspunkt zwischen den Geländerstäben und den Stahlbetonstufen so konzipiert, dass diese sich vertikal bewegen können. Weimer: "V4A-Chrom-Nickel-Stahl mit Molybdän – das ist das Beste, was es gibt. Da kann selbst im schlimmsten Fall nichts mehr rosten", erläutert der Fachmann.

Podestplatte mit Maschinengroßaufgebot platziert

Fehlte nur noch die Podestplatte – quasi als "Schlussstein". Sie wurde am 17. Oktober 2022 angeliefert, auf einem Tiefbordlader. Zwei Mobilkrane von 160 und 90 t Gewicht warteten im abgesperrten Straßenbereich vor dem Konzerthaus. Nur im Doppel-Hub sei es möglich gewesen, das Werkstück vom Transporter auf eine Holzunterlage auf der halbseitig gesperrten Bismarck-Allee umzulagern. Danach hatte der "kleinere" Kran seine Aufgabe erfüllt. Dem "Giganten" oblag es, die Platte an ihre endgültige Position zu hieven. "Es war ein Kunststück, die vier Gehänge zu tarieren, und es war Millimeterarbeit, den Betonkoloss einzuheben", resümiert Weimer. "Wir saßen da alle auf heißen Kohlen" – bis es eben geklappt hatte, so gegen 3 Uhr nachts. Bis zur endgültigen Betonnage des Auflagers ruhte die Platte auf Doppel-T-Jochträgern aus Stahl. Das nötige temporäre Geländer wurde schließlich vor Ort angepasst und eingebaut.

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